Forderungen der Freien Radios an die demokratischen Parteien im Landtag

1 Freie Radi­os auf DAB+

Ein Abschalt­ter­min für UKW steht zwar noch nicht fest, aber der öffent­lich-recht­li­che Rund­funk und der pri­vat-kom­mer­zi­el­le Rund­funk sind auf den Umstieg vor­be­rei­tet und sen­den neben UKW bereits auf lan­des­wei­ten DAB+ Pro­gram­men. Die Frei­en Radi­os wer­den dabei bis­her nicht berücksichtigt.

Die­se Ungleich­be­hand­lung ist nicht akzep­ta­bel. Wir for­dern alle Par­tei­en auf, sich für den geför­der­ten Ein­stieg der Frei­en Radi­os in DAB+ ein­zu­set­zen. Eine Bürg­schafts­ga­ran­tie des Lan­des für eine Kre­dit­auf­nah­me wür­de den UKW- lizen­sier­ten Frei­en Radi­os die Grün­dung einer Betrei­ber­ge­sell­schaft für den DAB+-Multiplex erleichtern. 

Die Frei­en Radi­os for­dern eine För­de­rung von DAB+ min­des­tens in der Höhe der För­de­rung der pri­vat-kom­mer­zi­el­len Radi­os – also 40.000 Euro pro Radio jährlich.


2 För­de­rung der Refu­gee-Radi­os durch Landesgelder

In den Jah­ren 2015 / 2016 wur­de von Land und Bund zu gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Anstren­gun­gen zur Inte­gra­ti­on der ankom­men­den Geflüch­te­ten auf­ge­ru­fen. Vie­le Freie Radi­os haben dies umge­setzt und mit neu gebil­de­ten Refu­gee Redak­tio­nen sowie einer lan­des- und bun­des­wei­ten Ver­net­zung die Grund­la­ge für die Par­ti­zi­pa­ti­on der Geflüch­te­ten in den Medi­en gelegt. Medi­en­teil­ha­be ist ein bedeut­sa­mer Grad­mes­ser für Inte­gra­ti­on. Mitt­ler­wei­le bil­den Geflüch­te­te selbst Neu­an­kom­men­de aus, pro­du­zie­ren Pod­casts und Radio­sen­dun­gen, orga­ni­sie­ren Ver­net­zungs­tref­fen, geben Work­shops und sichern so die fort­wäh­ren­de Medi­en­teil­ha­be von Geflüchteten.

Die­se unver­zicht­ba­ren Struk­tu­ren müs­sen nun gesi­chert und auf eine sta­bi­le finan­zi­el­le Grund­la­ge gestellt wer­den. Die The­men Flucht und Migra­ti­on dür­fen nicht dem rech­ten Rand über­las­sen wer­den. Hier sehen wir das Land Baden-Würt­tem­berg in der Pflicht. Refu­gee-Radi­os gibt es in Frei­burg (Radio Dreyeck­land), Tübin­gen (Wüs­te Wel­le), Stutt­gart (Frei­es Radio für Stutt­gart), Mann­heim (Ber­mu­da­funk) und Karls­ru­he (Quer­funk).

Wir for­dern 50.000 Euro jähr­lich pro Refu­gee-Radio, um die Arbeit mit fes­ten Stel­len für Geflüch­te­te abge­si­chert fort­füh­ren zu können.


3 Erhö­hung der Sockel­för­de­rung für die Frei­en Radi­os – Weg mit dem Vorwegabzug

Die nicht-kom­mer­zi­el­len Radi­os in Baden-Würt­tem­berg tei­len sich immer noch 10% von knapp 2 Pro­zent des Rund­funk­bei­trags und hal­ten sich wei­ter durch Spen­den und Pro­jekt­gel­der pre­kär über Was­ser. Bevor die­se 10% ermit­telt wer­den, erhält aller­dings der SWR vom Bud­get der Lan­des­me­di­en­an­stalt (LFK) einen Vor­weg­ab­zug. Dadurch wer­den die wirt­schaft­li­chen Mög­lich­kei­ten der LFK beträcht­lich eingeschränkt. 

Ange­sichts der Her­aus­for­de­run­gen durch die Digi­ta­li­sie­rung und ange­sichts der bun­des­weit ein­ma­li­gen Brei­te an nicht­kom­mer­zi­el­lem Hör­funk ist der Vor­weg­ab­zug nicht mehr zeit­ge­mäß. Die durch den Vor­weg­ab­zug unter­stütz­ten SWR-Ver­an­stal­tun­gen unter­lie­gen dem Kern­auf­trag des SWR und die ver­schie­de­nen SWR-Pro­gram­me pro­fi­tie­ren (wir fin­den auch zurecht!) von den Auf­nah­men und Live-Über­tra­gun­gen. Sie müs­sen daher – wie in den Zei­ten vor dem Vor­weg­ab­zug – aus dem Kern­haus­halt des SWR bestrit­ten wer­den und als ent­spre­chen­der Bedarf bei der KEF ange­mel­det werden.

Die Frei­en Radi­os wer­den neben ihren Kern­auf­ga­ben vie­len gesell­schaft­li­chen Erfor­der­nis­sen gerecht. Sie sen­den in vie­len ver­schie­de­nen Spra­chen, Migrant:innen sind antei­lig sehr gut vertreten,geben Impul­se für den inter­kul­tu­rel­len Dia­log und das sozia­le Zusam­men­le­ben. Die Radi­os sor­gen für Bar­rie­re­frei­heit und inklu­si­ve Struk­tu­ren für Men­schen mit und ohne
Behin­de­run­gen. Dies alles kos­tet Geld.

Wir for­dern: Weg mit dem Vor­weg­ab­zug an den SWR – Erhö­hung der Sockel­för­de­rung für die Frei­en Radios.


4 Mehr Mit­tel für Aus- und Fort­bil­dung – Zugang zum medi­en­päd­ago­gi­schen Topf der LfK

Bil­dungs­ar­beit gehört zur DNA Frei­er Radi­os, die ins­be­son­de­re sol­chen Grup­pen einen Medi­en­zu­gang eröff­nen, die unter Medi­en­ma­chen­den ansons­ten unter­re­prä­sen­tiert sind. Die erwor­be­ne Medi­en­kom­pe­tenz ist mehr als nur die tech­ni­sche Befä­hi­gung zur Bedie­nung mas­sen­me­dia­ler Sys­te­me. Es geht um ein reflek­ti­ves Ver­ständ­nis bezüg­lich Medi­en­pro­duk­ten und ihrer gesell­schaft­li­chen Wir­kung. Die Aus­bil­dungs­ar­beit Frei­er Radi­os eröff­net Men­schen die Mög­lich­keit, ihre Posi­tio­nen zu ver­än­dern, eige­ne Ideen ein­zu­brin­gen, neue Per­spek­ti­ven ein­zu­neh­men und ver­schie­de­ne künst­le­ri­sche und hand­werk­li­che Mit­tel auszuprobieren. 

Bis­lang wird die­se Bil­dungs­ar­beit nur unzu­rei­chend durch die Lan­des­an­stalt für Kom­mu­ni­ka­ti­on (LfK) geför­dert. Es gibt begrenz­te Mit­tel für Work­shops durch das Bil­dungs­zen­trum Bür­ger­me­di­en (Lud­wigs­ha­fen), ansons­ten wird die ‘Betreu­ung von Sen­dungs­ma­chen­den’ im Rah­men der Sockel­fi­nan­zie­rung abge­deckt, gleich­ran­gig mit Miet- und Verwaltungskosten. 

Der Zugang zum medi­en­päd­ago­gi­schen Topf der LFK bleibt den frei­en Radi­os ver­wehrt. Aus unse­rer Sicht absurd ange­sichts der sub­stan­ti­el­len Bil­dungs­ar­beit, die wir seit Jahr­zehn­ten leisten.

Wir for­dern im Zuge der Gleich­be­rech­ti­gung der Frei­en Radi­os den Zugang zum medi­en­päd­ago­gi­schen Topf der Lan­des­an­stalt für Kom­mu­ni­ka­ti­on für die Aus- und Fortbildung.


Sabi­ne Fratz­ke, K.-Michael Men­zel, Joa­chim Stein (Sprecher*innen der AFF)